Im August/September 2023 erkundete ich Südkorea und Japan mit der Kamera. Inspiriert von meiner Leidenschaft für Bildbände entschied ich mich, einen eigenen zu gestalten – als Erweiterung meines Portfolios, kreative Übung und persönliches Geschenk für Freunde und Familie.
Mein Ziel war es, ein Buch zu gestalten, das meine Bilder in einen sinnvollen Kontext setzt und eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Dabei war es mir wichtig eine authentische Reise durch Seoul und die DMZ zu vermitteln. Gestalterisch soll es sich an dem modernen, aber auch dem historisch und kulturellem Seoul orientieren. Da die Idee, ein Fotobuch zu erstellen, erst nach der Reise entstand, bestand die größte Herausforderung darin, eine passende Struktur für die Bilder zu entwickeln.
Um zu verstehen, was einen Bildband ausmacht und welche Erwartungen er erfüllen sollte, habe ich zunächst verschiedene Werke analysiert. Dabei wollte ich herausfinden, welche gestalterischen Entscheidungen mich ansprechen und welche Wirkung sie auf mich haben. Aus meinen Beobachtungen habe ich zentrale Leitlinien abgeleitet:
Das Hochformat ermöglicht eine flexible Bildanordnung – entweder zwei Hochformat-Bilder pro Doppelseite oder ein einzelnes im Querformat. Statt des Standard-A4-Formats habe ich ein etwas kleineres gewählt, um das Buch handlicher zu machen.
Mein Konzept basiert darauf, den Fokus auf die Bilder zu legen: Sie werden groß präsentiert, erhalten aber genügend Weißraum, um zu wirken. Ergänzend gibt es minimal gehaltene Texte, die die Geschichte weiterführen, anstatt die Bilder zu beschreiben. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführung, und jedes Bild erhält eine kurze Fußnote.
Um eine klare Struktur und Lesefreundlichkeit zu gewährleisten, habe ich das Buch in Kapitel unterteilt. So lassen sich nicht nur die Bilder besser einordnen, sondern auch ihre Zusammenhänge erkennen. Ich habe die Kapitel so angeordnet, dass diese auf der Karte in der nähe zueinander liegen, so als würde man es selber ablaufen. Zu dem habe ich das Kriegsmuseum an das Ende des Seouls Teil gesetzt, um so einen sinnvollen Übergang zur DMZ zu bilden.
Für die visuelle Abgrenzung der Kapitel habe ich mich von der Farbwelt traditioneller Tempel inspirieren lassen – harmonische, lebendige Töne, die sich organisch ins Gesamtdesign einfügen. Auch die Muster empfand ich als sehr ansprechend.
Seoul ist modern und fortschrittlich, was sich in der Typografie widerspiegelt: Eine serifenlose Schrift sorgt für einen klaren, zeitgemäßen Look. An ausgewählten Stellen ergänzen koreanische Schriftzeichen das Design und verleihen dem Buch eine stärkere Identität.
Bei der Produktion war mir ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig. Das Buch sollte als Geschenk hochwertig wirken, gleichzeitig aber als erster Prototyp kosteneffizient bleiben. Eine solide, aber dennoch ansprechende Produktion war dafür die ideale Lösung.
Das Endprodukt ist eine visuelle Reise durch die Metropole Seoul eingefangen in einem Bildband. Durch minimalistisches Design wird der Fokus voll und ganz auf die authentische Bilder gelegt, welche durch die begleitenden Texte in einen sinnvollen Kontext gerückt werden. Die minimal bearbeiteten Aufnahmen bewahren den Charakter der Orte und laden den Betrachter ein, die Reise nachzuempfinden.
Das Layout folgt einem klaren Raster, das Struktur schafft, aber dennoch genügend Flexibilität für unterschiedliche Bildkompositionen bietet. Großformatige Bilder bekommen Raum zum Wirken, während kleinere Sequenzen gezielt für Dynamik sorgen. Gezielte Weißräume setzen visuelle Pausen und lenken den Fokus.
Die Typografie unterstützt den modernen Charakter des Buches: Eine serifenlose Schrift sorgt für Klarheit, während eine bewusste Hierarchie zwischen Kapitelüberschriften, Fließtexten und Fußnoten die Lesbarkeit optimiert. An ausgewählten Stellen ergänzen koreanische Schriftzeichen das Design und verleihen dem Buch zusätzliche Authentizität.
Farben dienen nicht nur der Ästhetik, sondern auch der Orientierung. Jedes Kapitel erhält eine eigene Farbgebung, inspiriert von den harmonischen Tönen traditioneller Tempel. Eine Karte zu Beginn der Sonderkapitel Seoul und DMZ setzt die Bilder in einen geografischen Kontext.
Haptik spielte ebenfalls eine wichtige Rolle: Das Softcover 315 g/m² mit glänzender Folienkaschierung verleiht dem Buch eine hochwertige, aber dennoch flexible Anmutung. Die Innenseiten mit 115 g/m² bieten eine angenehme Balance zwischen Wertigkeit und Leichtigkeit – ideal für ein Geschenk, das nicht nur visuell, sondern auch in der Hand überzeugt.
Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Das Buch erfüllt meine Anforderungen und hat sich auch als Geschenk bewährt – eines, über das sich die Beschenkten wirklich gefreut haben. 😊 Jedoch gibt es auch einige Dinge die ich für den Druck bei WhiteWall noch verändern werde.
Auf den Kapitelseiten würde ich den Intro-Text näher an die Überschrift rücken, da beide inhaltlich zusammengehören. Zudem würde ich das Layout des Inhaltsverzeichnisses überarbeiten – insbesondere die Seitenzahlen, da einige Betrachter sie nicht sofort als solche erkannt haben.
Auch denke ich dass das Buch an einigen stellen etwas spannender gestaltet werden könnte z.B. indem das Layout öfter gebrochen wird.
Im Inhaltsverzeichnis hätte ich die Kapitel Farben auch abbilden sollen.
Dennoch überwiegt klar das Positive: Dieses Projekt war eine wertvolle Lernchance. Besonders die Arbeit mit GREP Styles in InDesign hat mir geholfen, Widows, Orphans und Runts automatisch zu vermeiden, anstatt sie mühsam manuell zu korrigieren.
Ich habe einen umfassenden Einblick in den gesamten Gestaltungsprozess eines Fotobuchs gewonnen – von der Konzeption bis zur Produktion. Mit einer besseren Vorausplanung kann ich beim nächsten Mal ein noch hochwertigeres Ergebnis erzielen und häufige Fehler vermeiden.